Rauhnächte, Raunächte – Rituale und Räucherpflanzen zum Jahreswechsel

Zum Jahreswechsel Kräuter räuchern zu den Rauhnächten.

Vom 25. Dezember bis zum 6. Januar jeden Jahres gibt es die zwölf so genannten Rauhnächte oder auch unter Raunächte. Ein schönes Orakel und Ritual um den Jahreswechsel.

 

Viele Menschen verbinden das Räuchern, also das Verbrennen von Pflanzenmaterial mit Weihnachten, mit dem Winter, insbesondere mit den Rauhnächten bzw. Raunächte.

Die Rauhnächte (oder Raunächte), das sind 12 Tage und Nächte um den Jahreswechsel (sechs Tage des letzten und sechs des neuen Jahres). Was genau sie sind oder wie sie ursprünglich begangen wurden, ist historisch nicht hundertprozentig verbürgt und unterscheidet sich auch ein wenig  von Region zu Region.

Zum einen geht es um die Vertreibung von bösen Geistern und finsteren Mächten, die in dieser Zeit besonders aktiv auf der Erde sind. Zum anderen haben die Rauhnächte auch eine Orakelfunktion, wie sich das z.B. im Bleigießen zu Silvester noch erhalten hat. Was man in diesen zwölf Tagen und Nächten erlebt und träumt, bestimmt die Ereignisse in den zwölf Monaten des kommenden Jahres.

 

Nicht nur die Träume, auch kann man in dieser Zeit seine Wünsche für das kommende Jahr als ein schönes Rauhnacht-Ritual oder Raunacht-Orakel veranstalten.
Hierzu werden 13 Wünsche auf 13 weiße Zettel niedergeschrieben. Überlege in Ruhe: Was ist dir wichtig? Was liegt dir am Herzen? Was würde das kommende Jahr vollkommen machen?
Anschließend werden sie gefaltet, so dass sie sich nicht mehr voneinander unterscheiden lassen. Gebe sie in einer Schale oder Säckchen und mische gut. Jetzt wird jeweils an einem Tag der 12 Rauhnächte ein Wunsch gezogen (es wird nicht nachgeschaut welcher es ist) und mit verbrannt*. Nehme dir Zeit dafür, beobachte das Verbrennen und achte darauf was währenddessen in deinem Kopf und in deinem Herzen vorgeht.
Am Ende der zwölf Raunächte hast du einen Wunsch über. Lese ihn dir feierlich durch, denn für diesen Wunsch darfst du aktiv selbst etwas im neuen Jahr tun, um ihn in Erfüllung gehen zu lassen.

 

Aber was sind das eigentlich für Pflanzen, die man in dieser Zeit verbrennt*? Was genau bewirken sie? Und wie können wir mit ihnen den Jahreswechsel bewusst begehen?

Im christlichen Räuchern werden Weihrauch, Myrrhe und Gold zusammen mit Gartenkräutern verräuchert, um für das vergangene Jahr zu danken und den Segen auf Haus und Hof herbei zu beten. Für die richtige Mischung lohnt ein Blick ins Küchenregal: Oft ist das, was wir brauchen, bereits in unserer Nähe. Wie wäre es z.B. mit Rosmarin, Oregano oder Majoran, Bergbohnenkraut, Thymian, Salbei, Minze, Melisse, Ysop oder Katzenminze?

 

Zum Jahresende wird in aller Regel geputzt und aufgeräumt. Auf feinstofflicher Ebene helfen uns dabei verschiedene Räucherkräuter. Weihrauch oder echter Copal passen in fast jede Mischung. Speziell zum Haus reinigen eignen sich außerdem Kampfer und Salbei – ob einheimischer oder indianischer Salbei, ist Geschmacksache. Drachenblut und Palo Santo vertreiben böse Geister.


Alte Schutzheiligtümer sind Kiefer, Tanne oder Zeder. Schutz und Segen erwirkt man außerdem mit Angelikawurzel, Fenchelsaat, Gewürznelken und Alantwurzel. Die Fichte, ein heiliger Baum der Germanen, schützt und lehrt uns auf allen Ebenen. Wer bedacht ihr Harz oder ihre Nadeln verräuchert und sie bittet, dem offenbart sie den Weg der Tugenden – ideal, um die guten Vorsätze im Neuen Jahr auch wirklich umzusetzen.


Für Einkehr und Vision sorgen Dammar oder Mastix zusammen mit Lavendel. Sternanis und Baldrian wirken stärkend auf unser Drittes Auge, was Träume und Visionen intensiviert. Gut ist in diesem Zusammenhang auch Traumkraut. Lorbeer bringt Verborgenes ans Tageslicht. Und Holunder verrät, warum die dunkle, von vielen so ungeliebte Jahreszeit einfach dazugehört.

Die besten Übergangshelfer sind Beifuß und Wacholder. Sie sorgen dafür, dass wir das Alte loslassen und das Neue fest ins Visier nehmen. Dabei bleiben wir bodenständig und realistisch – gute Vorsätze sollten auch machbar sein.

  

Dies ist ein Gastbeitrag von Anna Purath.


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Alles Liebe
Anja

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